Showcase: Inspektion eines Luftfahrzeuges

Inspektion HB-UAW

Die Inspektion eines Luftfahrzeuges ist ein wichtiges Element in der Sicherheitskette der Fliegerei. Sie soll dem Eigentümer und den Piloten Gewissheit darüber ablegen, dass das Luftfahrzeug flugtüchtig ist und somit die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen erfüllt. Ausserdem ist sie auch eine versicherungstechnische Voraussetzung. Dafür nimmt sich ein technischer BAZL-Inspektor rund 3-5 Stunden Zeit, je nach Alter und Komplexität des Luftfahrzeuges. In der Regel beträgt bei EASA-Luftfahrzeugen der Prüfzyklus ein Jahr ist, bei Non-EASA Luftfahrzeugen, darunter zählen Ultraleicht, Eigenbau- und historische Luftfahrzeuge beträgt diese Dauer zwei Jahre. 

Um das Ganze ein bisschen anschaulicher zu machen, nehmen wir das Beispiel einer Inspektion einer American Champion Citabria Aurora mit der Registrierungsnummer HB-UAW. Diese wurde vor 1975 gebaut und wird deshalb alle zwei Jahre inspiziert.

Ispezione in ufficio

Während es draussen regnet, sitzt der Inspektor beim Unterhaltsbetrieb im Büro vor seinem Laptop. Denn der erste Teil der Inspektion besteht aus einem umfangreichen Aktenstudium. Das Gesetz schreibt präzise vor, welche Dokumente für ein Luftfahrzeug erstellt und aktualisiert werden müssen. Anhand einer Checkliste im Inspektionssystem EMPIC gilt es nun rund 30-40 Prüfpunkte zu verifizieren. Angesichts der Tatsache, dass die HB-UAW - wie auch viele andere Luftfahrzeuge - schon 20, 30, 40 Jahre alt ist, liegen die Unterlagen ausschliesslich in Papierform vor. Und so bestehen die Dokumente nebst dem Aircraft Flight Manual (AFM) aus einem Flugreise-, einem Flugwerk-, Motor- und Propellerbuch.

Darin ist die Historie des ganzen Flugzeuges minutiös festgehalten, jeder Flug, jede Wartung, jede Änderung und jede Reparatur. Diese Informationen muss der Inspektor seit der letzten Inspektion – in der Regel zwei Jahre – prüfen, kontrollieren und nachvollziehen können. Es kann da schon mal vorkommen, dass ein technisches Blatt fehlt oder auch die Flugstunden sowie die Anzahl Landungen nachgerechnet werden müssen. Schliesslich geht es darum, dass alle in den technischen Dokumenten enthaltenen Angaben vollständig und korrekt sind. Da lässt der Inspektor nicht locker. Fehlen gewissen Angaben oder Unterlagen, können diese nachgereicht werden.

Inspektion: Bremsen check

Beim zweiten Teil der Inspektion geht es in den Hangar, wo das Flugzeug unter die Lupe genommen wird, analog einem Fahrzeug bei der Motorfahrzeugkontrolle. Hier macht sich der Inspektor ein Bild vom technischen Zustand des Flugzeugs. Dazu werden auch hier alle zu inspizierenden Punkte systematisch abgearbeitet. Angefangen wird mit dem Motor, dem Herzstück eines Motorflugzeuges. Ist der Motorraum sauber resp. gibt es Leckagen? Weisen die Verkabelungen Beschädigungen oder Brüche auf? Sitzt alles schön fest? Bei der zweiten Station werden das Fahrwerk und die Bremsen unter die Lupe genommen.

Auch hier prüft der Inspektor analog einem Outside-Check, ob alles festsitzt und ob allenfalls eine Stelle undicht ist und Öl ausfliesst. Nicht minder wichtig sind die tragenden und bewegenden Teile eines Luftfahrzeuges, die beim Rundgang ums Flugzeug bewegt, abgetastet und belastet werden. Und so werden bei diesem schön etwas älteren Flugzeug insbesondere die Festigkeit des Tuchs (d.h. der Bespannung) aber auch die Ruder und Ruderverbindungen geprüft.

Bewegende Teile müssen sich locker bewegen lassen und gleichzeitig fest mit Flügel oder Rumpf verbunden sein. Zu guter Letzt sitzt der Inspektor ins Cockpit. Allerdings nicht für einen Flug. Dieser wird nur absolviert, wenn wesentliche Bestandteile an einem Flugzeug verändert wurden, die ausschliesslich in der Luft begutachtet werden können. Die Kontrolle des Cockpits gilt den Instrumenten. Sind trotz der mittlerweile über 3177 Flugstunden alle Instrumentenanzeigen noch gut lesbar und korrekt angeordnet?

Inspektion BAZL Siegel

Nach rund zweieinhalb Stunden hat sich der Inspektor ein solides Bild über die Historie und den technischen Zustand der HB-UAW machen können. Angesichts der neuen Bremsen und des überholten Motors ist dieses Flugzeug punkto Lufttüchtigkeit in einem dem Alter entsprechenden guten Zustand, wenn auch an der einen oder anderen Stelle die Farbe abblättert oder die Bespannung (das Tuch) geflickt werden musste.

Und so darf die 55-jährige American Champion Citabria Aurora für weitere 2 Jahre den Himmel zieren und erhält dazu das schöne BAZL-Siegel.

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Letzte Änderung 14.06.2021

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