Flugplätze 2025: Mehr als Landen und Starten
Ein Ort, an dem Flugzeuge, Helikopter und andere Luftfahrzeuge landen und starten – so die einfachste Definition eines Flugplatzes. Doch: Damit ein Flugplatz sicher funktioniert, braucht es mehr als eine Start- und Landebahn. So eine Bewegungsfläche – Vorfeld genannt – auf dem ein Flugzeug parkiert wird und wo die Bodenabfertigung stattfinden kann. Und es braucht Rollwege für die Flugzeuge zur Start- und Landebahn.
Für den Betrieb eines Flugplatzes sind verschiedene Partner verantwortlich: Die Flugsicherung leitet die Flugzeuge. Die Bodenabfertigung ist für das Gepäck und die Fracht zuständig, die Fluggesellschaften für die Passagiere. Wieder andere Firmen kümmern sich um die Wartung des Flugplatzes oder der Flugzeuge.
Neben den befestigten Flächen verfügen Flugplätze oft über weitläufige Grünflächen auf der sich Vögel, Füchse und andere Wildtiere aufhalten. Damit der Flugbetrieb sicher abläuft, ist es notwendig, die dort lebende Tierwelt zu kontrollieren.
Kurz: Je grösser der Flugplatz, desto komplexer ist dessen Bewirtschaftung.
Bei der Bodenabfertigung kommt es zur Kollision der Fluggastbrücke mit dem Flugzeug und beschädigt es. Ein Flugzeug gelangt auf den falschen Rollweg. Ein anderes stösst mit einer Ente zusammen: Triebwerkschaden. Ein Schlepper, der beim Push-back die falsche Richtung einschlägt. Ein falsch beladener Frachtraum: Dies sind Vorfälle, die auf Schweizer Flugplätzen passieren. Wo? Wann? Wer? Unwichtig! Was zählt ist, dass sie zur Meldestelle des Bundesamts für Zivilluftfahrt (BAZL) gelangen und daraus die richtigen Lehren gezogen werden. Das Ziel: Die Sicherheit in der Luftfahrt – am Boden und in der Luft – stetig verbessern.
Flugzeugbeschädigung während der Bodenabfertigung
Um was es geht
Zusammenstoss mit der Ausrüstung zur Bodenabfertigung – wie Gepäck-Förderband oder Passagiertreppe – oder einem Fahrzeug, unsachgemässe Manipulation etwa beim Öffnen der Frachtraumtüren und so weiter: Die Schäden bei der Bodenabfertigung geschehen ausschliesslich am stehenden Flugzeug. Der Schaden kann die Betriebssicherheit des Flugzeugs gefährden.
Ein Beispiel
Das Bodenpersonal nähert sich mit der Fluggastbrücke einem parkierten Flugzeug, um die Passagiere aussteigen zu lassen. Ein Fehler passiert. Die Fluggastbrücke kollidierte mit dem Flugzeug und beschädigt den Rumpf. Das Flugzeug muss gewartet werden, bevor es wieder fliegen kann.
Der Kommentar zu den Zahlen 2025
2025 kam es zu einer sehr starken Zunahme der Flugzeugbeschädigungen während der Bodenabfertigung: von 0,46 Beschädigungen pro 10 000 Flugbewegungen 2024 auf 0,78 2025. Auch wenn der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr gross ist, bleibt die Anzahl solcher Vorfälle sehr tief. In rund 8% der Falle waren Flugzeuge aus der nicht-kommerziellen Luftfahrt verwickelt.
Drei Ereignisse – das sind gleich viele wie 2024 – waren schwerwiegend. Um die 3% aller Flugzeugbeschädigungen, die sich während der Bodenabfertigung ereigneten, wurden als schwerwiegend eingestuft.
In einem Drittel der Fälle blieb die Ursache beziehungsweise der Verursacher unbekannt. Solche Schäden werden meist bei der Vorflugkontrolle oder nach der Ankunft während dem «Arrival Walkaround» bemerkt. Zu diesem Zeitpunkt prüft das Bodenpersonal die Aussenhaut der Flugzeuge auf Schäden. Sie können durch Bodenfahrzeuge beim vorherigen Flug oder durch Vogelschlag entstehen. Kein Schadensfall verursacht durch Unbekannte war schwerwiegend.
Für die meisten Beschädigungen durch Bodenfahrzeuge (GSE) sind Highloader verantwortlich. Diese kommen für die Be- und Entladung von Gepäck wie auch Fracht zum Einsatz. In einigen wenigen Fällen waren Fluggasttreppen oder -brücken beteiligt, die beim Andocken den Flugzeugrumpf beschädigten. Auch verursachen die engen Platzverhältnisse der Standplätze der Flugzeuge in der kommerziellen Luftfahrt solche Vorfälle.
Nahezu alle Ereignisse passierten an den beiden grössten Schweizer Flughäfen Zürich und Genf.
Wie im Jahr zuvor schon handelte sich bei über 90% der Beschädigungen um Kratzer oder Farbabsplitterungen, welche keinen Einfluss auf die Sicherheit des Flugbetriebs haben.
Fehler bei der Bewegung des Luftfahrzeugs auf dem Vorfeld/Rollweg (aus eigener Kraft)
Um was es geht
Bei Fehlern auf dem Vorfeld oder dem Rollweg weicht die Besatzung von den Rollregeln, den Verfahren oder den Freigaben ab. Das kann am Boden zu einer Beinahe-Kollision oder einer Kollision mit einem anderen Luftfahrzeug, einem Fahrzeug oder einem Hindernis führen.
Ein Beispiel
Ein Flugzeug gelangt auf den falschen Rollweg. Der Rollweg ist für das Flugzeug zu klein. Dann passiert’s: Die Flügelspitze stösst gegen einen Beleuchtungsmast.
Der Kommentar zu den Zahlen 2025
Im Vergleich zum Vorjahr (336 Vorfälle) kam es 2025 insgesamt zu 564 Vorfällen. Dieser markante Anstieg unterstreicht die wachsenden operativen Herausforderungen im Flugbetrieb. Vier Vorfälle – oder knapp 1% – waren schwerwiegend.
Nach wie vor betrafen die meisten Vorfälle Abweichungen von Rollfreigaben oder Navigationsfehler am Boden. Die häufigsten Ursachen waren Missverständnisse bei erteilten Freigaben, Pilotinnen oder Piloten verloren die Orientierung auf einem Flugplatz mit komplizierten Rollweg- oder Vorfeldsystemen.
Je grösser der Flughafen, desto komplexer ist er. So ereigneten sich die meisten Vorkommnisse an den grössten Schweizern Flughäfen Zürich und Genf.
Unterhalts- oder Ausbauarbeiten verändern die Infrastruktur, erhöhen die Komplexität. Temporäre oder permanente Anpassungen von Vorfeldes und Rollverfahren sorgen für weitere Verwirrung.
Trotz einer Zunahme solcher Vorfälle, waren weniger als 1% schwerwiegend. Kollisionen und beinahe Zusammenstösse zwischen zwei Flugzeugen, einem Flugzeug und einem Fahrzeug oder anderen Hindernissen während des Rollens machten 5,5% der Vorfälle aus.
In der kommerziellen Luftfahrt kommt es häufiger zu Abweichung der Rollfreiheit oder Navigationsfehler. Auf die Sicherheit haben diese Vorfälle eine geringe Auswirkung. Die Flugsicherung oder die Vorfeldkontrolle erkennen diese Abweichungen meistens sofort und lösen sie. In der nicht-kommerziellen Luftfahrt kommen solche Zusammenstösse häufiger vor, da die Pilotinnen und Piloten über weniger Anleitungen während des Rollens am Boden verfügen. Bei Unaufmerksamkeit kommt es leichter zum Zusammenstoss
Kollision mit Wildtieren
Um was es geht
Vogelschlag oder der Zusammenstoss mit einem Tier während des An- oder Abflugs kann am Flugzeug Schäden verursachen. Die Schäden können die Flugsicherheit gefährden.
Ein Beispiel
Ein Flugzeug stösst während des Starts mit einem Vogel zusammen. Der Vogel landet im Triebwerk. Kurz danach beginnt das Triebwerk ungewöhnlich zu vibrieren. Das Flugzeug kehrt zum Startflughafen zurück. Es stellt sich heraus: Die Turbine ist beschädigt. Der Flug muss annulliert werden. Die gute Nachricht für die Passagiere: Sie werden auf einen anderen Flug umgebucht.
Der Kommentar zu den Zahlen 2025
2025 wurden insgesamt 374 Vorfälle mit Wildtieren im Schweizer Luftraum registriert – geringfügig weniger als im Vorjahr (2024: 388 Vorfälle). Die Gesamtzahl bewegt sich auf dem gleichen Niveau wie 2024, was auf eine insgesamt stabile Entwicklung hindeutet.
Von den gemeldeten Kollisionen mit Wildtieren ereigneten sich fast 90% in der kommerziellen Luftfahrt. Zum einen liegt das an der Geschwindigkeit der Flugzeuge. Bei geringerer Geschwindigkeit können sowohl Vögeln wie Flugzeugen ausweichen. Das ist bei Verkehrsflugzeugen nicht der Fall. Zusätzlich können grössere Vögel einen gravierenderen Schaden anrichten als kleinere. Bei fast 90% kam es zu keiner oder nicht bekannten Beschädigungen der Flugzeuge. Knapp über 1% der Vorfälle wurden als schwerwiegend eingestuft.
Die meisten Ereignisse traten während des Starts, Anflugs oder der Landung (95%) und in der Regel unter 1500 ft über Boden auf.
Wie in den Jahren zuvor kam es im zweiten und im dritten Quartal 2025 zu den meisten Kollisionen mit Wildtieren. Im Juni und Juli ereignete sich ein Drittel aller Vorfälle. Gründe dafür sind vor allem die hohe Populationsdichte nach der Brutzeit sowie unerfahrene Jungvögel. Die guten Wetterbedingungen in diesen Monaten sorgen zusätzlich für erhöhte Vogelaktivität und intensive Nahrungssuche. Mit wenigen Ausnahmen waren bei den Kollisionen Vögel betroffen.
Falsche Gepäck-/Frachtbeladung und Dokumentation
Um was es geht
Ein Luftfahrzeug wird falsch beladen. Der Beladeplan kann mangelhaft sein, enthält Fehler im Startgewicht, in der Berechnung des Schwerpunkts oder der Flugparameter. Fehler können dazu führen, dass sich die Ladung während des Fluges verschiebt. Beladungsfehler können die Betriebssicherheit im Flug gefährden.
Ein Beispiel
Ein Flugzeug ist voll beladen. Beim Prüfen des Ladeplans zeigt sich: Die Fracht ist falsch geladen, sodass ein sicherer Flug nicht gewährleistet ist. Das Flugzeug muss anders beladen werden. Das führt zu einer erheblichen Verzögerung für die Passagiere.
Der Kommentar zu den Zahlen 2025
2025 ereigneten sich 383 Vorfälle. Dies entspricht einem deutlichen Anstieg im Verlgeich zum Vorjahr. Allerdings wurden nur 142 der Vorfälle tatsächlich in der Schweiz verursacht.
Der Anstieg lässt sich mit der positiv entwickelten Meldekultur erklären. Vor allem von Bodenabfertigungsunternehmen ist die Anzahl der Meldung gestiegen, da sie Fehler in der Beladung oder der Dokumentation konsequenter melden.
Die Hauptursache bei allen Vorfällen war, dass die dokumentierte Beladung nicht der wirklichen entsprach. In diesen Meldungen sind ebenfalls Vorfälle erfasst, in denen Gepäck, Fracht oder gefährliche Güter auf einer falschen Position verladen oder zwar geplant aber nicht geladen wurden. Auch gab es Ereignisse, bei denen nicht dokumentierte Güter dennoch verladen wurden sowie Meldungen mit fehlerhaften Gewichtsangaben. Nur in einzelnen Fällen hatten die Vorfälle einen Einfluss auf das Gleichgewicht des Flugzeugs, jedoch war dieser minimal. Die Besatzung hat die Fehler rechtzeitig bemerkt und problemlos behoben.
Ein weiteres Thema ist das Nicht-Einhalten der Ladehöhe in den Frachträumen; einzelne Koffer waren zu hoch geladen. Im schlimmsten Fall können Schutzsysteme wie Rauchmelder oder Belüftungssysteme während des Fluges stark beeinträchtigt sein. Das traf in keinem der gemeldeten Vorfälle zu. Es gab einige Vorfälle mit nicht gesicherter Beladung, sodass sie sich während des Flugs verschob. Das kann zu einer Verschiebung des Gleichgewichtspunktes des Flugzeuges führen.
Der Anteil schwerwiegender Ereignisse liegt mit rund 5% fast auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr.
Falscher Betrieb eines Fahrzeugs oder einer Ausrüstung der Bodenabfertigung auf dem Vorfeld oder dem Rollweg
Um was es geht
Ein Fahrzeug weicht von den Anweisungen oder Verkehrsregeln auf dem Vorfeld oder dem Rollweg ab. Das Resultat: Es kommt zu einer Kollision in Bodennähe oder am Boden mit einem rollenden oder geschleppten Luftfahrzeug. Oder: Ausrüstung oder Fahrzeuge sind auf dem Vorfeld falsch abgestellt und behindern ein rollendes Luftfahrzeug.
Ein Beispiel
Ein Fahrer fährt mit seinem Auto auf das Vorfeld. Zu seiner Rechten nähert sich auf dem Rollweg ein Flugzeug. Unsicher, was er tun soll, missachtet der Autofahrer die Vorfahrt des Flugzeugs. Das Flugzeug muss stark bremsen, um einen Zusammenstoss zu vermeiden. Im Flugzeug sitzen genau zu diesem Zeitpunkt alle. Niemand kommt zu Schaden. Das Flugzeug setzt seinen Weg bis zum Platz, wo die Passagiere aussteigen können, fort.
Der Kommentar zu den Zahlen 2025
2025 wurden insgesamt 784 Vorfälle registriert, gegenüber 655 im Jahr 2024. Dies entspricht einer massiven Zunahme von rund 20% im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Trend lässt sich mit der hohen Komplexität grösserer Flugplätze und den vielen Fahrzeugen und Geräten erklären, die auf dem Vorfeld und den Rollwegen zum Einsatz kommen. Trotz dieses deutlichen Anstiegs waren lediglich zwei Ereignisse schwerwiegend.
Ein grosser Teil aller Meldungen umfasst das Befahren des Vorfeldes durch Bodenfahrzeugen. Diese missachteten die Vortrittsregeln oder befuhren Rollwege, für welche sie keine Berechtigungen hatten. Häufig waren Standplätze durch Bodenfahrzeuge oder weiteres Equipment blockiert. Das zwingt die Flugzeuge anhalten und zu warten, bis der Weg frei ist. Aufgrund der niedrigen Geschwindigkeiten auf dem Vorfeld ist die Schwere solcher Vorfälle meistens gering. Bei Fällen, bei denen das Flugzeuge ein abruptes Ausweichmanöver ausführte, lag der Schweregrad höher.
Nicht nur Flugzeuge sind von der Komplexität auf den Flugplätzen betroffen, sondern auch die restlichen Verkehrsteilnehmende am Boden. Durch Änderungen der Rollwegsysteme und Vorfeldverfahren kam es zu Verwirrungen bei allen Teilnehmenden.
Mit wenigen Ausnahmen ereigneten sich die meisten Vorfälle an den Landesflughäfen Zürich und Genf.
