AVISTRAT-CH: den Schweizer Luftraum neu gestalten
In Kürze
- Der Schweizer Luftraum ist heute komplex strukturiert. Luftraumverletzungen und unerlaubte Annäherungen von Luftfahrzeugen mehren sich. Hinzu kommen neue Bedürfnisse wie jene der Drohnen.
- Die Antwort des BAZL: AVISTRAT-CH. Das Programm umfasst den Luftraum und berücksichtigt die Infrastrukturen am Boden.
- Das Ziel: Ein sicheres, leistungsfähiges und umweltverträgliches System, das den künftigen Nutzungsbedürfnissen entspricht.
- Die Strategie: Durch koordinierte Aktivitäten in 25 Handlungsfeldern einen flexiblen Luftraum und ein optimiertes Flugplatzsystem schaffen.
- Die Umsetzung: Erfolgt gestaffelt. In zwei Teilprojekten werden vorerst die Grundlagen für weitere Aktivitäten erarbeitet. Dies im Austausch mit der Luftwaffe, der Flugsicherung, den Flugplätzen, der Luftfahrtindustrie.
Warum braucht die Schweiz AVISTRAT?
Die Schweizer Luftraum- und Aviatikinfrastruktur (Flugsicherungsinfrastruktur und Flugplätze) ist ein über Jahrzehnte gewachsenes und immer wieder punktuell angepasstes System. Das Fliegen in diesem verschachtelten Luftraum wurde immer komplizierter und anspruchsvoller. In jüngerer Vergangenheit entstanden weitere Nutzungsbedürfnisse, so beispielsweise der Betrieb von Drohnen.
Mehr Luftraumverletzungen, die teils auch den Linien- und Charterverkehr beeinträchtigten, zeigen, dass das bestehende System den aktuellen Bedürfnissen nicht mehr gerecht wird. Es besteht Handlungsbedarf. Dies hat sich auch in diversen Empfehlungen der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) manifestiert.
Der Auftrag
Mitte 2016 erteilte das UVEK dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) den Auftrag, den Schweizer Luftraum bestmöglich zu reorganisieren und dabei auch die Einflüsse der Aviatik-Infrastruktur zu berücksichtigen. Dieses Vorhaben wird vom BAZL mit dem Programm «Luftraum- und Aviatik-Infrastruktur-Strategie Schweiz» oder kurz AVISTRAT-CH umgesetzt. AVISTRAT-CH soll einerseits die Risiken reduzieren, die mit der Nutzung des Luftraums in der Schweiz verbunden sind, andererseits soll eine effiziente und möglichst umweltschonende Nutzung der knappen Ressource Luftraum über der Schweiz ermöglicht werden.
Die AVISTRAT-Vision
Ein sicheres, leistungsfähiges und umweltverträgliches System, das den künftigen Nutzungsbedürfnissen entspricht.
Die Strategie
Durch koordinierte Aktivitäten in 25 Handlungsfeldern ein optimiertes, koordiniertes Flugplatzsystem Schweiz definieren und einen optimierten Luftraum zur bedürfnisgerechten Nutzung schaffen.
Die Umsetzung
In den 25 Handlungsfeldern finden bereits etliche Aktivitäten ausserhalb des Programms AVISTRAT-CH statt, deren Resultate aber für die Ziele von AVISTRAT-CH nutzbar gemacht werden sollen.
Spezifisch für das Programm wurden – in den im Strategiebericht genannten beiden strategischen Schwerpunkten – zwei Teilprojekte gestartet: «Koordinierte Entwicklung und Nutzung des Flugplatzsystems» sowie «Luftraumzugang dank Ausrüstung». Beide mit dem Ziel bis 2025 die notwendigen Grundlagen für Richtungsentscheide zu erarbeiten. Die Federführung beim Flugplatzsystem Schweiz liegt bei den Infrastrukturbetreibern, das BAZL begleitet und unterstützt die Aktivitäten. Die Federführung für die Optimierung des Luftraums hat das BAZL.
Teilprojekt: Koordinierte Entwicklung und Nutzung des Flugplatzsystems
Der Verband Schweizer Flugplätze (VSF) analysiert zurzeit die Entwicklungstrends der über 50 Schweizer Regionalflugplätze und Flugfelder. Erste Ergebnisse sind bis Ende 2024 zu erwarten.
Indikativer Zeitplan:
Das zukünftige Flugplatzsystem Schweiz soll verstärkt darauf ausgerichtet werden, neue Verkehrsarten zu integrieren und Kompetenz-Cluster auf Flugplätzen zu ermöglichen, durch Entflechtung die Sicherheit zu erhöhen und insgesamt ein wirtschaftlich, gesellschaftlich sowie ökologisch nachhaltigeres Aviatik-System zu schaffen. Zudem sollen Antworten auf die Frage der Verdrängung der General- und Business Aviation von den Landesflughäfen gefunden werden.
Strategische Initiative «Luftraumzugang dank Ausrüstung» (SI-2-4)
Diese strategische Initiative definiert, welche Dienstleistungen für eine optimale Nutzung des Luftraums künftig zur Anwendung kommen sollen, und welche Technologien dies ermöglichen. Mit dem Projekt FASST-CH (Future Aviation Surveillance Services and Technologies in Switzerland) legt das BAZL die Grundlage zur Definition der Services und Technologien (inkl. Infrastrukturen) zur Ermöglichung eines vereinfachten Zugangs zum jeweiligen Luftraum fest. Dies wird durch die Errichtung eines ganzheitlichen i-Conspicuity-Ökosystems realisiert.
Detaillierte Informationen zur Projekt FASST-CH
Indikativer Zeitplan:
Mit der Umsetzung der Strategischen Initiative «Luftraumzugang dank Ausrüstung» (SI-2-4) werden die Voraussetzungen zur Realisierung der Strategischen Initiativen «Zielgerichtete Entwicklung des Luftraums» (SI-2-1) und «Dynamische Bewirtschaftung des Luftraums» (SI-2-3) geschaffen.
Der angestrebte optimierte Luftraum soll bedarfsgerechte Lufträume schaffen, welche schnell und flexibel anpassbar sind, erhöhte Kapazität und effizientere Flugrouten ermöglichen, erhöhte Sicherheit durch technische Sichtbarkeit und durch einfachere Luftraumstrukturen schaffen, sowie die Integration neuer Verkehrsarten vereinfachen. Das besondere Augenmerk ist auf die Sicherheit des Luftverkehrs im Umfeld der Landesflughäfen Basel, Genf und Zürich gerichtet.
Einbezug Anspruchsgruppen
Die Erarbeitung der Grundlagen erfordert teilweise den Einbezug von Anspruchsgruppen aus der Luftfahrt. Sobald diskussionsfähige Lösungswege erarbeitet sind, werden die üblichen Prozesse angestossen und die betroffenen Kreise und Interessengruppen konsultiert.