Robinson R44 II / Fractured Push-Pull Tube for tail rotor control
FOCA SAND 2026-001
Anlass
Nach einem Rundflug mit drei Passagieren an Bord des Helikopters vom Typ R44 II kehrte die Pilotin über den Sektor S nach Sitterdorf (LSZV) zurück. Nach einem kurzen Stopp in einer Schwebehöhe von rund 2 m über Boden wollte die Pilotin in Richtung Standplatz schwebend weiterfliegen (air taxi), als der Helikopter um die Hochachse nach rechts zu drehen begann und in der Folge auf dem Boden aufschlug (Quelle SUST Präventionsbulletin 2026, 1. Quartal).
Untersuchung SUST
Der Motor vom Typ Lycoming IO-540-AE1A5 und dessen Treibstoffversorgung wiesen keine Auffälligkeiten auf. Die letzte Instandhaltung des Motors fand am 07.03.2024 bei 2852:52 TSN bzw. die letzte 50-h-Kontrolle bei 932:43 h TSO statt. Die Sichtprüfung des Heckrotors, dessen kraftschlüssigen und unterbruchsfreien Antrieb sowie die Heckrotorsteuerung brachte keine Auffälligkeiten zum Vorschein. Insbesondere waren im Bereich des Heckrotorkopfs keine Spuren von abnormalen Blattausschlägen in Form von Verformungen ersichtlich.
Ursache SUST
Das linke Pedal auf der Pilotenseite wies keine Verbindung zur Heckrotorsteuerung mehr auf und war frei beweglich; das unverbogene Steuerrohr (Push-Pull Tube Assembly C343-9) war gebrochen, wodurch keine Kraftübertragung des linken Pedals auf die Heckrotorsteuerung mehr stattfand. Die Bruchstelle lag im Bereich des Kontrollloches des Rod-End-Gewindes. In den vorausgehenden Instandhaltungsnachweisen fanden sich keine Hinweise auf vorbestandene Probleme im Bereich der Heckrotorsteuerung.
Der Bruch liegt im Bereich des Bolzenendes und auf der Höhe der Querbohrung. Dieser erfolgte im Winkel von 45° und weist einen Wabenbruch (Spontanbruch) auf. Teilweise sind die Bruchwaben auffallend grob ausgebildet. In den Bruchwaben sind die intermetallischen Phasen sichtbar. Schwingbruch konnte nicht nachgewiesen werden. Beim Werkstoff handelt es sich um eine für die Anwendung in der Aviatik typische, kaltausgehärtete Aluminium-Legierung. Die Gefügeanalysen zeigen einen unüblichen, heterogenen Zustand. Eine ungenügende Verknetung beziehungsweise ein Überschreiten der Temperatur bei der Wärmebehandlung führen in der Regel zu solchen Resultaten.
Massnahmen
Das BAZL nutzt diese SAND, um die betroffenen Luftfahrzeugbetreiber in der Schweiz über ein mögliches Sicherheitsrisiko beim Betrieb der betroffenen Luftfahrzeuge zu informieren.
Gemäss Artikel 9 Absatz 3 der Verordnung (EU) Nr. 376/2014 hat das BAZL alle relevanten sicherheitsrelevanten Informationen aus den Vorfallberichten an die zuständige Behörde, die FAA, des betreffenden Mitgliedstaats (USA) weitergeleitet.
Alle relevanten sicherheitsrelevanten Informationen auch aus dem Vorfallbericht wurden auch an die für das Type Design zuständige Organisation Robinson weitergeleitet, welche für die Konstruktion des betreffenden Luftfahrzeugs oder der betreffenden Teile verantwortlich ist.
Konnten Sie bei einem von Ihnen betriebenen oder gewarteten Helikopter dieselben oder ähnliche Feststellungen treffen? Wir wären Ihnen für jegliche Informationen oder Bestätigungen dankbar.
Meldung über www.aviationreporting.eu
Sollten Sie Fragen oder Bedenken haben, stehen Ihnen unsere Experten gerne zur Verfügung.
Kontakt:
Christian Hanke
Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL)
Abteilung Sicherheit Flugtechnik

